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Wie es Ihnen gelingt, das schwammige „man“ hinter sich zu lassen

Foto: Heike Brandl
Frühlingsbote: Adonisröschen bei Wiesenfeld

„Nach so vielen Jahren im Beruf kennt man sich aus!“

„Das macht man bei uns im Betrieb so.“
„Hat man Ihnen das schon gezeigt?“
„Man muss eine Lösung finden.“

„Man stellt die Tabletten zusammen und bringt sie dann dem Patienten.“

Um wen geht es hier?

Kennen Sie solche Sätze? Wer ist „man“? In meinen Beispielen sind ganz unterschiedliche Personen gemeint.

„Nach so vielen Jahren im Beruf kenne ich mich aus!“ wäre die korrekte Formulierung. Im oberen Beispiel versteckt sich der Sprecher  hinter dem „man“, macht sich klein und lädt andere ein, ihn zu übersehen. Sagt er „Ich“, zeigt er seine persönliche Kompetenz, wirkt klar und souverän. Er sollte an dieser Stelle auf den Tonfall achten, damit er nicht überheblich wirkt.

„Das machen wir in unserem Betrieb so.“ wäre hier passend. Der Sprecher spricht für sich und andere über eine allgemein gültige Regel und bezieht die neue Kollegin auch gleich mit ein.

„Hat Ihnen das schon jemand gezeigt?“ Jemand ist wie „man“ ein unbestimmtes Fürwort. Dennoch klingt es angenehmer.

„Wir brauchen eine Lösung und wir werden sie gemeinsam finden!“ Hier benennt eine Führungskraft, was die Gruppe braucht und motiviert alle. In der ersten Variante ducken sich sicherlich alle weg, denn keiner fühlt sich angesprochen. Und das „muss“ machte noch zusätzlichen Druck.

„Ich stelle die Tabletten zusammen und bringe sie dann dem Patienten.“ Hier zeigt eine Krankenschwester ihre eigene Kompetenz und Verantwortungsbereitschaft – anstatt sich hinter dem unpersönlichen „man“ zu verstecken.

 

Hier geht es also um das „man“. Das ist ein unbestimmtes Fürwort, so wie einer, jeder, jemand. In der deutschen Sprache ist es üblich, Sätze mit „man“ zu bilden. Oft gebrauchen es Menschen selbst dann, wenn sie von sich selbst sprechen.

Mit „man“ versteckt sich der Sprecher hinter der Allgemeinheit, es bleibt unklar, wer der Handelnde ist. Sätze mit „man“ sind meist wirkungslos. Alles bleibt wie es ist.

 

„Man“ hat eine ganz spezielle Geschichte

„Man“ kommt vom lateinischen „homo“ für „Mann, Mensch“. Es bedeutete zunächst „irgendein Mensch“, dann „jeder beliebige Mensch“. Es hat seine ganz eigene Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten wussten um die Macht der Sprache und setzten sie systematisch für ihre Zwecke ein. Sie gaben Anweisungen heraus, dass z.B. in öffentlichen Medien und bei Reden grundsätzlich unpersonalisierte Sprache zu gebrauchen sei. So wuchs eine ganze Generation von Menschen mit dem „man“ auf. Es führte zu einem Entfremden der Menschen von ihren eigenen Bedürfnissen, Meinungen und Werten. Dies war nur ein Punkt, der es Hitler über Jahre hinweg erleichterte, sein Regime aufrecht zu erhalten. Die Generation unserer Großeltern und Eltern wuchs mit dieser Sprache auf und sie gab diese an ihre Kinder weiter, an uns.

Unter diesem Aspekt empfehle ich Ihnen, achtsam mit dem Gebrauch des Wörtchens „man“ zu sein. Es macht anfällig für Fremdbestimmung. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie häufig sie das Wort „man“ gebrauchen.

Stärken Sie Ihre Position!

Wer „man“ häufig in seinem Sprachgebrauch hat, signalisiert damit Unsicherheit und Inkompetenz. Auch wenn dies gar nicht stimmt. Das Signal kommt beim Gesprächspartner an. Erfolgreiche, eigenverantwortliche Menschen sagen „ich“, wenn es um ihre Meinung geht. Und mehr noch: Wer häufig „man“ sagt, lädt sein Umfeld ein, über ihn zu bestimmen. Wer „man“ sagt, ist allzu leicht verführbar. Er macht mit, und traut sich nicht, eine eigene Position zu entwickeln.

Nun haben Sie den Zusammenhang zwischen Eigenverantwortung und „man“ kennengelernt. Wenn Sie von „ich“ sprechen, nimmt ihr Gesprächspartner Sie als Person mit eigener Position wahr. Er wird aufmerksam hören, was Sie ihm zu sagen haben. Wenn Sie von „du“ oder „Sie“ sprechen, dann weiß der Hörer genau wer gemeint ist.

Mit einem „Man müsste mal wieder den Keller aufräumen“ bleibt der Keller höchstwahrscheinlich so, wie er ist. Sagen Sie hingegen: „Michael, am nächsten Wochenende will ich mit dir zusammen den Keller aufräumen.“, dann kann Ordnung in den Keller einziehen.

Sie werden sehen, wenn Sie das schwammige „man“ hinter sich lassen, dann kommen Sie leicht ins Tun. Sie bringen sich selbst und Ihre Mitmenschen in Bewegung. Sie stärken Ihre Präsenz! Sie haben die Wahl, wie Sie von sich selbst sprechen. Es lohnt sich, auf diese Feinheiten in der eigenen Sprache zu achten. Sie haben eine große Wirkung.

3 Schritte ins Umsetzen

1.    Anderen zuhören:

Um das „man“ hinter sich zu lassen, rate ich Ihnen, dem für mehrere Wochen Aufmerksamkeit zu schenken. Dieses kleine Wort hat es in sich. Es bewirkt ein Umdenken. Entsprechend stark ist die Wirkung. Gönnen Sie sich dafür Zeit. Achten Sie zunächst nur bei anderen darauf, wann diese „man“ sagen. Spüren Sie , welche Wirkung „man“ auf den Sprecher und auf die Angesprochenen hat. Doch seien Sie achtsam. Machen Sie keinerlei Bemerkungen. Lassen Sie jeden Menschen so reden, wie er es gewohnt ist. Bleiben Sie bei sich.

2.    Sich selbst zuhören:

So fangen Sie an, das „man“ überhaupt erst einmal zu hören. Wenn Sie „man“ bei anderen gut hören, beginnen Sie damit, auf Ihre eigenen Sätze zu lauschen. Sprechen Sie in dieser kurzen Phase ruhig weiter mit „man“. Nehmen Sie einfach nur wahr und machen Sie sich seine nachteilige Wirkung bewusst.

3.    Schreiben und Sprechen:

Erst wenn Sie es bei sich selbst gut hören, beginnen Sie damit, es in Ihrer Sprache zu ersetzen. Für das Üben gibt es eine ergiebige Möglichkeit: Das sind die E-Mails. Sie werden Formulierungen mit „man“ wesentlich leichter erkennen und variieren als beim Sprechen. Benennen Sie, wen Sie wirklich meinen! Sie werden in der Folge ganz andere Antworten bekommen als bisher. Wenn Sie E-Mails mit üblichen „man“-Formulierungen bekommen, dann übersetzen Sie beim Lesen innerlich mit. Das ist eine gute Übung. Gleichzeitig werden Sie mögliche Unklarheiten erkennen und damit Fehler schon im Vorfeld vermeiden.

Und wo bleibt die Höflichkeit?

Vor kurzem sprachen wir in einem Seminar darüber, dass viele Menschen ungern Sätze mit „Ich“ beginnen, schon gar nicht mehrere Sätze nacheinander. Das hat sicher mit unseren erlernten Verhaltensweisen zu tun. Haben Sie auch von Ihren Eltern gehört „Der Esel nennt sich immer zuerst!“ ? Das sollte bedeuten, in einer Aufzählung von Personen sich selbst immer am Ende zu nennen. Also z.B. „Tanja, Stefan und ich werden gemeinsam ein Geschenk kaufen.“ Da ist es auch durchaus höflich und angemessen. Bei vielen führte es jedoch dazu, das „Ich“ grundsätzlich zu vermeiden.

Heute ist es durchaus üblich, Sätze mit „Ich“ am Anfang zu schreiben. Und es ist in Briefen zweifellos besser, den Satz mit „Ich“ zu beginnen, als eine umständliche Satzkonstruktion zu formulieren. Ich empfinde das als Wertschätzung und Höflichkeit gegenüber dem Leser. Achten Sie dann darauf, dass der weitere Text insgesamt respektvoll bleibt.

Eine gute Anregung hierzu habe ich im Duden „Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben“ gefunden: Sprechen Sie den Empfänger an! Er fühlt sich dann auch direkt angesprochen und wird aufgefordert zu handeln. Dann kann es heißen „Senden Sie mir die Formulare bitte bis zum 23. März 2020 zu.“ (S. 33).

Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“

Dennoch will ich Sie noch auf eines hinweisen: Es gibt keine „falschen“ Wörter. Sie dürfen „man“ ruhig weiterverwenden, wo es passend ist. Wenn es also um „jemand“, „jeder“ oder „irgendjemand“ geht, ist es durchaus angebracht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: „Man ist in diesem Punkt heute viel toleranter."

 

Duden Ratgeber: Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben, Dudenverlag Berlin 2015

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