· 

Weihnachtspost

 

Voller Schwung war ich heute in die Postfiliale gegangen – und wurde schon gleich hinter der Tür gebremst. Die Schlange der anstehenden Menschen war lang. Viele standen da, mit Päckchen zum Versenden, mit Abholscheinen oder wollten schöne Briefmarken für die Weihnachtspost kaufen. Zehn Minuten tat sich gar nichts in der Schlange. Am Schalter stand eine alte Dame zur Kontoeröffnung und ein Mann mit einem scheinbar komplizierten Anliegen. Die Menschen in der Schlange wurden unruhig, zwei machten ihrem Unmut Luft und gingen genervt wieder weg. Andere nahmen es mit Humor.

 

Die beiden Angestellten am Schalter gingen ruhig und konzentriert ihrer Arbeit nach. Das fand ich bewundernswert. Gerade in der Vorweihnachtszeit haben die Postangestellten und die Paketzusteller enorm viel zu tun. Wir bestellen immer mehr über den Versandhandel und schicken oft die Hälfte wieder zurück. Was das für den lokalen Einzelhandel bedeutet, weiß jeder.

 

Ein Dankeschön für Dienstleister

Mir geht es jedoch heute um unsere Einstellung zu den Menschen in der Dienstleistungsbranche. Wie oft höre ich „Servicewüste Deutschland“ und andere abwertende Kommentare. Doch es heißt auch „So wie du in den Wald rufst, so schallt es zurück.“ Hören Sie sich einmal selbst zu, wie Sie mit dem Personal im Lokal, beim Bäcker, auf der Post und im Supermarkt sprechen! Da werfen wir Wortbrocken hin „Ein Roggenbrot!“ „Die Rechnung!“ oder auch mal gar nichts an der Kasse. Das Fließband läuft ja.

 

Ich finde das traurig. Und für die Menschen, die da arbeiten, ist es im Grunde eine Zumutung. Es ist kein Wunder, wenn sie immer griesgrämiger werden und wir uns dann wieder darüber beklagen.

 

Es wird Zeit, dass sich was dreht. Es liegt an uns, jeder hat es selbst in der Hand. Schenken Sie aktiv Wertschätzung: Wie gut tut jedem ein Augenblick des Blickkontaktes, ein Lächeln, ein ganzer Satz, ein freundlicher Gruß und ein herzliches Dankeschön.

 

Ihre Paketzustellerin, der Postangestellte, die Verkäuferin oder der Kellner werden es zu schätzen wissen.

 

Advent feiern, heißt warten können

Und, falls Sie demnächst auch mal länger in der Postfiliale stehen, üben Sie sich in Geduld. „Advent feiern, heißt warten können. Warten ist eine Kunst, die unsere ungeduldige Zeit vergessen hat.“ – So hat es der Theologe Dietrich Bonhoeffer einmal formuliert.  

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine besinnliche und friedliche Adventszeit, fröhliche Weihnachten und alles Gute für das Jahr 2018!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0