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Wie es Ihnen gelingt souverän auf den Punkt zu kommen

Foto: Heike Brandl

 

Neulich fiel mir in einer Talkshow ein Politiker auf, der ausgesprochen unglaubwürdig wirkte. Woran lag das? Er verhaspelte sich häufig in seinen Sätzen und schob mehrere Nebensätze ein. Manche Sätze waren unvollständig. Seine Sprache spiegelte seine unstrukturierten Gedankengänge wider. Es klang, als ob er sich permanent rechtfertigen würde. Souveränität? Fehlanzeige!

Sowohl in der Belletristik als auch in Fachbüchern finden wir Bandwurmsätze, die über eine halbe oder ganze Seite gehen. Lesefreundlich ist das sicher nicht. Hier wie dort wissen wir am Ende des Satzes nicht mehr was am Anfang war. Wir erkennen nicht das Wesentliche

Auch bei Wissenschaftlern oder sogenannten Experten sind Schachtelsätze weit verbreitet. Sie wollen ihre komplexen Sachverhalte möglichst intellektuell darstellen und meinen, damit besonders kompetent zu wirken.

Dabei ist das eine sehr deutsche Sichtweise. In anderen Ländern geht man davon aus, Kompetenz zeige sich darin, dass man Kompliziertes einfach darstellen kann.

Grammatikalisch gesehen ist es natürlich möglich, mit Nebensätzen einen Hauptsatz zu unterbrechen oder gar mehrere Nebensätze einzuschieben. Doch auch der DUDEN1 empfiehlt mit dem „Hamburger Verständlichkeitskonzept“ Sätze übersichtlich zu gliedern. Ein wesentlicher Hinweis: Die wichtigen Informationen gehören in den Hauptsatz.

 

Nicht

Sondern

Ich rufe jetzt erstmal wegen eines Termins beim Arzt an und werde deshalb später kommen.

Ich werde heute später kommen, da ich einen Arzttermin brauche.

Katja hat mir erzählt, dass in der Arztpraxis, in der sie arbeitet, mehrere Mitarbeiterinnen ausfallen und sie nächste Woche nicht mit uns an die Ostsee fahren kann.

Katja kann nächste Woche nicht mit uns an die Ostsee fahren. In der Arztpraxis, in der sie arbeitet, fallen mehrere Mitarbeiterinnen aus.

 

Noch einfacher dargestellt und für die Gesprächspartner leichter zu folgen, sind kurze, vollständige Hauptsätze ganz ohne Nebensatz. Gerade in längeren Erzählungen oder Berichten ist das von Bedeutung. Bei jedem Satz entsteht bei den Hörern ein Bild im Kopf. Das gelingt jedoch nur, wenn der Satz übersichtlich ist und nur eine Aussage enthält. Ein Bild ermöglicht es, dass die Gesprächspartner sich den Inhalt des Berichts gut merken können.

 

Nicht

Sondern

Als ich am Montag nach zwei Wochen Urlaub, du weißt doch, ich war am Bodensee, übrigens, das Wetter war schrecklich, also, als ich da wieder an die Arbeit kam, saß doch glatt eine neue Mitarbeiterin, ohne dass mir vorher jemand ein Wort davon …

Ich war zwei Wochen im Urlaub am Bodensee. Am Montag ging ich dann wieder an die Arbeit. Da gab es für mich eine große Überraschung: Eine neue Mitarbeiterin saß mit in meinem Büro!

 

Hatten Sie Freude beim Lesen des ersten Beispiels? Als Zuhörer macht es Ihnen noch mehr Mühe als beim Lesen, die einzelnen Segmente zu analysieren und nach logischer Reihenfolge und Wichtigkeit zu ordnen. Das ist ermüdend und Sie werden bald abschalten.

 

Kurt Tucholsky: Ratschläge für einen schlechten Redner2

„Sprich mit langen, langen Sätzen - solchen, bei denen du, der du dich zu Hause, wo du ja die Ruhe, deren du so sehr benötigst, deiner Kinder ungeachtet, hast, vorbereitest, genau weißt, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinander geschachtelt, so dass der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf das Ende solcher Periode wartet [...]“

Tucholsky war der bedeutendste Schriftsteller und Journalist der Weimarer Republik und er hatte einen einfachen Rat für Redner parat:

„Hauptsätze! Hauptsätze! Hauptsätze!“

Machen Sie es Ihren Gesprächspartnern leicht: Bilden Sie kurze einfache Sätze! Ich empfehle Ihnen ein Nebensatz-Fasten.

 

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Auch die Sprachmelodie wirkt!

Viele Sprecher beenden einen Aussagesatz ebenso wie einen Fragesatz: Sie bleiben mit der Stimme am Satzende oben. Damit bleibt unklar, ob der Satz wirklich zu Ende ist. Für die Zuhörer klingt das wie ein endloses Lamentieren und ist besonders anstrengend.

Es ist sinnvoll, einen Aussagesatz auch mit der Sprachmelodie eines Aussagesatzes zu sprechen: Gehen Sie mit der Stimme am Satzende nach unten! Die Wirkung ist eine gänzlich andere. Sie erreichen damit mehr Aufmerksamkeit und Interesse. Das führt letztlich zum Erfolg!

 

 

 

Wie ich es geschafft habe, prägnant zu formulieren

Als ich mein erstes LINGVA ETERNA Seminar besuchte, sprach auch ich in Schachtelsätzen und meine Stimme war am Satzende oft oben. Ich hörte es selbst nicht einmal. Meine erste Erkenntnis hatte ich dann beim Hören des Hörbuchs „In der Sprache liegt die Kraft“3

Ich begann für mich selbst zu üben: Beim Bügeln oder Autofahren – also, wenn ich allein war und mir keiner zuhörte – hörte ich mir selbst beim Sprechen zu. Ich beschrieb einfach was ich sah und tat: „Vor mir fährt ein rotes Auto. Es bremst. Ich bremse auch. Ich überhole den parkenden Lieferwagen.“ Das klang ein wenig albern und übertrieben kurz, doch hatte es eine tiefgreifende Wirkung.

Bald hörte ich den Unterschied zu meinen sonst üblichen Schachtelsätzen und begann, diese zu vereinfachen.

In weiteren LINGVA ETERNA Seminaren achtete ich auf Pausen zwischen den Sätzen und so gelang es mir das Tempo heraus zu nehmen. Dadurch wiederum gewann ich die Zeit, Sätze gedanklich besser zu strukturieren. Einen „hörbaren Punkt“ zu setzen – also die Stimme am Satzende abzusenken, war eine weitere Übung. Da die Sprachmelodie einen Bogen bildet, sprechen wir bei LINGVA ETERNA dabei von „Bogensätzen“.

Im Seminar bekam ich die Gelegenheit, dies vor Zuhörern zu üben. Das war nochmal eine neue Herausforderung. Doch nur damit bekam ich eben auch die Rückmeldung dazu, wie unterschiedlich ich wirkte: In Schachtelsätzen und mit der Stimme oben wirkte ich unstrukturiert und hektisch. Die Zuhörer hatten keine Lust, mir zuzuhören. Mit den sogenannten „Bogensätzen“ wirkte ich souverän und ruhig.

Souverän und ruhig, das steht für Menschen, die etwas zu sagen haben. Wollen auch Sie so auf Ihre Gesprächspartner wirken? Das erfordert etwas Übung. Doch wenn Sie es wollen, wird es Ihnen auch gelingen. Ich empfehle Ihnen dazu, ein LINGVA ETERNA Seminar zu besuchen oder einige Einzelstunden wahrzunehmen.

Und dann wünsche ich Ihnen viel Freude beim Entdecken Ihrer neuen Wirkung!

 

 

1 Duden Ratgeber „Briefe und E-Mails gut und richtig schreiben“ Duden Verlag, Berlin 2015

2 Kurt Tucholsky: „Ratschläge für einen schlechten Redner“ unter dem Pseudonym Peter Panter in der Vossischen Zeitung, 16.11.1930, Nr. 542

3 Mechthild von Scheurl-Defersdorf „In der Sprache liegt die Kraft“ Hörbuch, Vlg. Lingva Eterna Erlangen 2019

 

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