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Warum Sie sich niemals beschweren sollten

Foto: Heike Brandl
Aufrecht durchs Leben gehen

Und hier kommt schon die Antwort: Wollen Sie sich wirklich selbst das Leben schwer machen? Ja, ich nehme diese Redewendung ganz wörtlich! „sich beschweren“ -  Seit dem 14. Jahrhundert bedeutet die reflexiv verwendete Verbform „sich beschweren“ sich über Drückendes zu beklagen. Die „Beschwerde“ ist damit verwandt und die Pluralform „Beschwerden“ bezeichnet auch körperliche Schmerzen und Störungen.

Ich gebe Ihnen ein kleines Rätsel: Welches Wort liegt im „beschweren“ versteckt?

Es ist das Adjektiv „schwer“. Das Wort „schwer“ hat verschiedene Bedeutungen: Von der Grundbedeutung „Gewicht haben“ bis zum im übertragenen Sinn verwendeten „drückend, beschwerlich, lastend“. Als weitere Übertragung ist „schwierig“ zu nennen. So erklärt es der Duden (Herkunftswörterbuch).

Der Körper meldet sich zu Wort

Da hören wir Sätze wie:

·         Ich habe mein Päckchen zu tragen.

·         Das nehme ich auf meine Schultern.

·         Ich muss dafür den Buckel hinhalten.

·         Das bricht mir noch mal das Rückgrat.

·         Ich muss Haltung bewahren.

·         Da habe ich mir etwas aufgeladen!

·         Ich muss mich bei Ihnen beschweren!

·         Ich habe mich krumm und buckelig geschuftet.

·         Auf mir lastet die ganze Verantwortung.

·         Was kann ich nur gegen meinen Rücken tun?

Das waren jetzt nur die Redewendungen, die etwas mit dem Rücken zu tun haben. Kennen und benutzen Sie diese Sprüche? Oft haben unsere Lieblingssprüche tatsächlich genau mit dem Körperbereich zu tun, der unser persönliches Ausdrucksorgan der Seele ist. Unser Unbewusstes hat die Hand im Spiel und bringt es genau auf den Punkt. Natürlich gibt es diese Sprüche auch für andere Körperbereiche:

·         Ich habe die Nase voll.

·         Die Sache bereitet mir Kopfzerbrechen.

·         Der Typ geht mir auf die Nerven.

·         Ich kann halt nicht aus meiner Haut.

·         Mir geht es beschissen.

·         Da gerät mein Blut in Wallung.

·         Das lässt sich nicht mehr einrenken.

Sprache offenbart viel über unser Denken

Unsere Sprache ist voll von gewissermaßen „psycho-somatischen“ Äußerungen wie diesen. Sie verdeutlichen seelisch-körperliche Zusammenhänge. Anhand dieser bildkräftigen Sprache verstehen wir sehr leicht, wie es unserem Gesprächspartner gerade geht. Achten Sie einmal bei sich selbst darauf! Gibt es einen Körperbereich, den Sie als Ihren persönlichen „schwachen Punkt“ benennen würden? Z.B. eine Neigung zu „irgendwas an den Augen“ (z.B. Bindehautentzündungen, geplatzten Äderchen, Gerstenkorn). Und dann bitten Sie eine Freundin oder ihren Partner auf Redewendungen aus diesem Bereich zu achten. Das können z.B. diese sein:

·         Ich kann das einfach nicht mehr mit ansehen.

·         Wo hatte ich nur meine Augen?

·         Das ist beinahe ins Auge gegangen.

·         Augen zu und durch!

Vielleicht fällt der Freundin auch eine andere Redewendung auf, die Sie sehr häufig gebrauchen. Benutzen Sie z.B. den Satz „Da muss ich halt die Zähne zusammenbeißen.“ öfter? Dann wäre das einerseits ein Anlass, zu einer Kontrolle den Zahnarzt aufzusuchen. Andererseits ist es auch ein Anlass, einmal zu überlegen, ob der Druck für Sie gesund ist. Machen Sie sich Ihre Denkmuster bewusst.

Den Körper mit der Sprache stärken

Mit unserer Sprache schaffen wir uns unsere Wirklichkeit. Während es also Redewendungen gibt, die krank machen und zu Beschwerden führen, gibt es natürlich auch Redewendungen, die aufbauen und stärken. Es gilt hier also wieder den Blick in die richtige Richtung zu lenken, zum Positiven hin zu denken und zu sprechen. Sicherlich werden Sie nicht von heute auf morgen gesund, falls Sie krank sind und nun beschließen, alle krankmachenden und belastenden Sätze wegzulassen. Doch Ihre Haltung zu dem entsprechenden Körperbereich wird sich wandeln.

So können Sie sich zum Beispiel den Rücken stärken:

·         Ich habe Mumm in den Knochen.

·         Ich kann mir selbst den Rücken stärken.

·         Ich halte mir den Rücken frei.

·         Ich gehe aufrecht durchs Leben.

·         Ich bin stark und mutig.

·         Ich bewahre Haltung.

·         Ich bin und bleibe beweglich.

·         Mein Glaube gibt mir Rückhalt.

·         Ich stehe für meine Meinung gerade.

 

Für die Augen gibt es viele schöne Wörter, die Sie bewusst in Ihren Wortschatz aufnehmen können. Ich habe Ihnen im folgenden Bild eine Auswahl zusammengestellt. 

Grafik: Heike Brandl

Finden Sie auch für andere Körperbereiche schöne Wörter? Erweitern Sie Ihren Wortschatz! Und statt „Zähne zusammenbeißen“, heißt es sicher besser: „Immer schön locker bleiben!“

 

Bei Margaret Minker habe ich noch einen wichtigen Satz gefunden, den ich Ihnen gerne mit auf den Weg geben will: 

Mein Körper sagt immer die Wahrheit.

Sie sagt, dieser Satz hilft uns, unsere Organsprache besser zu begreifen und wahrzunehmen, bevor sie allzu laut werden muss. Dann zeigt uns die Wahrheit des Körpers auch Wege aus einer Erkrankung, aus der krankmachenden Lebenssituation heraus.

Suchen Sie sich von diesen Sätzen ein paar aus, die Ihnen besonders wohltun. Achten Sie darauf, dass sie positiv formuliert sind. Schreiben Sie sie auf einen Zettel, den Sie dort anbringen, wo Sie ihn immer wieder sehen. Sagen Sie sich die Sätze mehrmals am Tag laut vor und schauen Sie sich, wenn es passt, dazu im Spiegel aufrecht und ermutigend in die Augen.

Und was wird aus der Beschwerde?

Egal ob die Lärmbelästigung, die verspätete Lieferung oder das versalzene Essen: Es gibt immer andere Formulierungen, mit denen Sie Ihr Anliegen vorbringen können. Benennen und beschreiben Sie einfach die Sache, um die es geht. Damit bleiben Sie souverän und Sie tun etwas für Ihre Gesundheit.

Immer wieder erinnere ich gerne an den folgenden Text. Sein Ursprung ist unklar. Doch er hat soviel Weisheit in sich und ist auch für dieses Thema von großer Bedeutsamkeit.

Literatur:

Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf „In der Sprache liegt die Kraft – klar reden, besser leben“ Vlg. Herder, Freiburg 2016

Margaret Minker „Mit Leib und Seele gesund – Psychosomatik für Frauen“ Vlg. dtv, München 1997

Duden „Das Herkunftswörterbuch“, Dudenverlag, Berlin 2015

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