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Der erste Eindruck: Wissen Sie, wie Sie wirken …?

Sich bekannt machen
Ich stelle mich vor :)

… wenn Sie sich jemandem vorstellen? Indem Sie sich persönlich oder am Telefon mit einem fremden Menschen bekannt machen, hinterlassen Sie einen ersten Eindruck. 90 Sekunden bleiben Ihnen dafür, dass dieser Eindruck ein positiver ist. Haben Sie sich schon einmal Zeit dafür genommen, zu überlegen, wie Sie sich vorstellen?

  

Viele von Ihnen stellen sich mehrfach in einer Woche anderen Menschen vor: Der neuen Kollegin, Kunden, jemandem von einer Behörde, neuen Eltern in der Kindertagesstätte oder der Schule, der neuen Teilnehmerin im Chor oder der Sportgruppe.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich vorzustellen: Wenn ich in einem Seminarraum bin und sage „Tag, Brandl. Ich mach jetzt hier die Fortbildung.“ haben Sie ein bestimmtes Bild von mir. Begrüße ich Sie „Ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag. Ich bin Heike Brandl. Ich bin Heilpädagogin und komme aus Lohr. Ich freue mich auf eine interessante Fortbildung mit Ihnen.“ wirke ich völlig anders.

 

Reflektieren Sie Ihre Gewohnheiten!

Ohne darüber nachzudenken, stellen Sie sich in der Regel so vor, wie Sie das als Kind gelernt haben. Wir haben unsere Sprache von unseren Eltern gelernt. Deshalb haben wir auch viele Sprachstrukturen von unserer Elterngeneration übernommen. 

 

Wenn Ihre Eltern Sie als Kind aufgefordert haben „Sag schön, wie du heißt!“ sagen Sie: „Ich heiße Katrin Bauer.“

Viele sagen auch: „Mein Name ist Katrin Bauer.“

Die dritte Möglichkeit ist: „Ich bin Katrin Bauer.“

 

Zunächst gilt natürlich: Es gibt hier kein richtig oder falsch. Nur die Wirkung ist eine unterschiedliche, und diese sollten wir uns bewusst machen.

 

Ich will Ihnen dies über einen kleinen Umweg verdeutlichen. Auch beim Beruf gibt es verschiedene Möglichkeiten sich vorzustellen.

„Ich arbeite als Schreiner.“

„Mein Beruf ist Schreiner.“

„Ich bin Schreiner.“

 

Schließen Sie für einen Moment die Augen und wiederholen Sie innerlich für sich diese drei Formen. Welchem Kandidaten würden Sie einen diffizilen Auftrag anvertrauen? Welchen halten Sie für kompetent?

Und wiederholen Sie diese Reflektion noch einmal mit folgendem Beispiel:

„Ich arbeite als Lehrerin an der Realschule.“

„Ich bin Lehrerin."

„Mein Beruf ist Lehrerin.“

Wo haben Sie das Gefühl einer engagierten und guten Lehrerin gegenüber zu stehen? Wo spüren Sie die Identifikation mit der Aufgabe, die Freude am Beruf? Wem vertrauen Sie lieber Ihr Kind an?

 

Bei „ich arbeite als …“ habe ich den Eindruck, derjenige macht das nur vorübergehend, eher zufällig, vielleicht sogar unmotiviert. „Mein Beruf …“ kann wirken wie eine Berufung. Hier kommt es sehr auf den Ton und die Mimik des Sprechers an. Sagt derjenige es eher unbeteiligt, wirkt er auch so.

Neue Gewohnheiten
Es ist wie mit neuen Schuhen ...

 

Wie Sie präsent und souverän wirken

 

„Ich bin …“ ist anders. „Bin“ kommt von der Grundform „sein“ und das hat einen Wortursprung im Wachsen und Werden. „Ich bin“ bedeutet somit auch immer, dass ich wachse und mich entwickle. Es ist umfassend, betrifft mein ganzes „Sein“ und meine ganze Persönlichkeit.

 

Mit „ich bin“ hinterlassen Sie einen positiven, kompetenten und souveränen ersten Eindruck. Das hat einen großen Einfluss darauf, wie andere Sie sehen, wie sie Sie schätzen und wie sie Ihnen begegnen. „Ich bin“ ist eine wirkungsvolle Art und Weise Ihre Präsenz zu erhöhen.

 

Eine Seminarteilnehmerin erzählte mir, dass sie das in ihrer Firma ausprobierte. Sie hatte viel Kundenkontakt und stellte sich häufig vor. Bislang hatte sie gesagt „Winter. Guten Tag!“ Nach dem Seminar sagte sie „Ich bin Sonja Winter. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!“ Ihr Auftreten wurde dadurch sicherer und selbstbewusster. Sie berichtete, dass die Atmosphäre persönlicher wurde, sie leichter mit den Kunden ins Gespräch kam und mehr Freude an ihrer Arbeit hatte.

 

Welche Wirkung wollen Sie erzielen? Wollen Sie Ihre Person oder Ihren Beruf in den Vordergrund stellen? Beobachten Sie andere Menschen, wie diese sich vorstellen und wie das auf Sie wirkt. Probieren Sie dann aus, was Ihnen zusagt oder in unterschiedlichen Situationen für Sie stimmig ist. Wagen Sie ruhig auch etwas Neues. Das mag sich zu Beginn ungewohnt und daher fremd anfühlen. Das macht gar nichts.

 

Es ist so wie mit neuen Schuhen. Es gibt diejenigen, in die Sie beim ersten Anprobieren hineinschlüpfen und sich sofort wohl fühlen. Und es gibt diejenigen, für die Sie erst eine Weile brauchen, bis Sie sie eingelaufen haben. Und nach einiger Zeit wollen Sie die Schuhe dann nie wieder hergeben.

„Ich bin die Kati.“

Ist es angemessen, sich als neue Gruppenleiterin mit „Ich bin die Kati.“ vorzustellen, wenn Sie Katharina heißen? Glauben Sie, dass die Kolleginnen und Eltern Sie ernst nehmen werden?

Wir sprechen mit gutem Grund auch von Kosenamen. „Kosen“ bedeutet ursprünglich „zärtlich sein, streicheln“. So hat der Kosename am Arbeitsplatz  nichts zu suchen. In der Partnerschaft darf er natürlich sein. Dort hat er einen guten Platz.  

Mit einer Abkürzung, einer Verniedlichung, nehmen Sie sich zurück und die Gesprächspartner werden mit Ihnen umgehen, wie mit einem kleinen Mädchen. Nutzen Sie die Kraft Ihres ganzen Namens! Sie zeigen sich damit in Ihrer ganzen Persönlichkeit.

Brauchen wir zum Namen einen Artikel?

In meinem Beispiel habe ich noch das kleine Wort „die“ eingefügt: „Ich bin die Kati.“. Ich höre das oft. Für mich ist es Füllwort. Brauchen wir zum Namen einen Artikel? Mit dem Artikel bezeichnen wir das Geschlecht eines Gegenstandes. Mein Impuls ist dazu: „Ich bin doch kein Gegenstand, sondern eine Person!“

Laut Duden sind Vornamen Substantive ohne Artikel. Offenbar besteht die Tendenz zum Artikel vor dem Namen eher im süddeutschen Raum. Dies mag eine Tradition oder Gewohnheit sein. Ob es sinnvoll ist, wird spätestens bei „die Jana“ fraglich. Hier weiß der Gesprächspartner nicht, ob ich vielleicht auch von „Diana“ gesprochen habe. Machen Sie sich bewusst, was Sie sagen!

Nutzen Sie Ihre Chance!

Ich komme noch einmal darauf zurück, wie Sie in den ersten Sekunden eines neuen Kontaktes wirken. Ihr Gesprächspartner macht sich innerhalb weniger Sekunden ein Bild von Ihnen. Dieses Bild ist die Grundlage für den weiteren Kontakt. Sie haben also die Chance im Erstkontakt souverän und kompetent zu wirken.

Nutzen Sie diese Chance!

Ihre Heike Brandl

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