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Ein hohes Kleinod ist der gute Name

 

In meinem letzten Artikel habe ich die 3 A erklärt: Das Ansprechen mit dem Namen, das Anschauen und einen Atemzug Pause zu machen, bevor ich dem Gesprächspartner meine Botschaft sage. Damit können wir erfolgreich und wertschätzend Kontakt aufnehmen.

Heute will ich das Ansprechen noch einmal genauer in den Blick nehmen. Sprechen Sie den Namen Ihres Gesprächspartners immer bewusst und freundlich aus. Lassen Sie den anderen spüren, dass Sie ihn, genau diesen Menschen, meinen. Mit der Pause nach dem Namen erinnern Sie sich selber, dass es in erster Linie um den Menschen geht und erst in zweiter Linie um das, was der andere vielleicht tun soll. Die 3 A sind ein sicherer Weg für die wertschätzende Kontaktaufnahme. Der eigene Name, liebevoll ausgesprochen, ist das Wort, welches Menschen am allerliebsten hören!

 

 

Kinder mit herausforderndem Verhalten

Stellen Sie sich nun ein Kind vor, welches Sie täglich mit seinem Verhalten herausfordert. Ist Ihnen klar, wie dieses Kind seinen Namen täglich hört? Und so hört es ihn vermutlich nicht nur von Ihnen, sondern auch von anderen Erzieherinnen oder LehrerInnen, seinen Eltern, Großeltern, Trainern und so weiter. Der in scharfem Ton ausgesprochene Name – „Niklas!“ - ist für das Kind keine Orientierungshilfe, sondern nur eine Missbilligung seiner Person. Es ist in Ordnung, wenn Sie ein Verhalten missbilligen. Doch der Mensch besteht aus mehr als seinem Verhalten, das Sie stört.

 

Der beständig genervte oder verärgerte Ton beim Namen belastet Ihre Beziehung und wird das Kind nur zum Widerstand führen. Ich lege Ihnen diese herausfordernden Kinder ans Herz, denen Sie in Kindergarten und Schule immer wieder begegnen werden. Für sie ist es so wichtig, ihren Namen freundlich und wohlwollend zu hören und sich trotz aller Schwierigkeiten wertgeschätzt zu fühlen. Schenken Sie dem Kind positive Aufmerksamkeit, das stärkt sein Selbstvertrauen und das braucht es so dringend. So werden Sie die Beziehung zum Kind spürbar verbessern. Und es wird Ihnen gelingen, es leichter zu führen.

 

Wie kann das gelingen, wo doch der Name des Kindes für Sie schon zum Reizwort geworden ist? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. So kann es sinnvoll sein, sich einmal bewusst mit dem Namen des Kindes zu befassen. Legen Sie ihn mit einem weichen bunten Wollfaden vor sich auf den Tisch oder den Boden und spüren Sie dem nach. Oder Sie nehmen sich wie in meinem Bild den Namen vor und schreiben die Buchstaben einmal senkrecht untereinander. Im nächsten Schritt finden Sie für jeden Buchstaben ein schönes Adjektiv. Wenn Ihnen kein Adjektiv in den Sinn kommt, das mit diesem Buchstaben beginnt, kann der Buchstabe ja auch im Wort sein. Seien Sie kreativ!

 So verbinden Sie mit dem Namen etwas Neues und vor allen Dingen werden Sie sehen, dass dieser Mensch aus mehr besteht, als einer negativen Eigenschaft oder einem Verhalten, welches Sie auf die Palme bringt.

 

Wir haben diese Möglichkeiten schon in verschiedenen Seminaren ausprobiert und beeindruckende Rückmeldungen bekommen. Viele TeilnehmerInnen sind zutiefst berührt, was so ein Perspektivwechsel in ihnen selbst auslöst. Und es gelingt ihnen in der Folge auch, das Kind wieder mit neuen Augen zu betrachten und ihm mit Wertschätzung zu begegnen.

So kann der Name wieder ein „guter“ Name werden.

Mein Zitat im Titel ist von Friedrich Schiller. Und ein Kleinod war früher eine kunstvoll gearbeitete, zierliche Kleinigkeit, die als Gastgeschenk oder Aufmerksamkeit überreicht wurde.

 

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