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Wie Sie mit klarer Kommunikation im Beruf mehr erreichen

Foto: Heike Brandl
Verwirrung im Gehirn - Musée de la civilisation Québec

 

·         „Den Kunden dürfen wir nicht verlieren.“ 

·         „Mach dir keinen Stress!“ 

·         „Das Projekt ist nicht uninteressant.“ 

Kommen Ihnen solche Sätze bekannt vor? Behalten Sie damit den Kunden? Wie ist das Projekt denn tatsächlich? Weiß Ihr Gesprächspartner, bis wann er die Aufgabe erledigen soll? 

Worum geht’s? 

Verneinungen, wir sagen dazu auch Negationen, sind weit verbreitet, sowohl privat wie auch beruflich. So unterschiedlich die Situationen auch sein mögen, die Wirkung von Negationen ist überall gleich. Verneinungen sind Doppelbotschaften. Sie stiften Verwirrung in unserem Gehirn. 

Erzeugen Sie positive und klare Bilder im Kopf! 

Schauen wir uns an, welche Bilder im Kopf entstehen – bei Ihnen und Ihrem Gesprächspartner. Beim ersten Satz ist es „verlieren“. Gehen wir davon aus, dass Sie im Gespräch mit Mitarbeitern sind. Sie bringen damit die Option des Scheiterns in den Raum und in die Gedanken der Mitarbeiter. Dabei entsteht Angst. Angst ist kein guter Ratgeber in der Mitarbeiterführung. Deutlich ist der folgende Satz: 

·         „Dieser Kunde ist für uns wichtig.“ 

Hier wird es für die Mitarbeiter klar, was Ihr Anliegen ist. „Wichtig“ erzielt eine völlig andere Wirkung als „verlieren“. Es erhöht die Aufmerksamkeit und motiviert die Mitarbeiter sich zu engagieren. Es verbreitet Optimismus anstatt Angst. 

Beim zweiten Satz entsteht das Bild von „Stress“. Genau das, wollte der Sprecher eigentlich vermeiden. Stress macht Druck, erzeugt ein unangenehmes Gefühl beim Gesprächspartner und wenig Lust, die Aufgabe zu erledigen. Da er nicht weiß, bis wann der Sprecher z.B. die Unterlagen braucht, wird er sich immer wieder darüber Gedanken machen. Das bindet unnötig Energie. Machen Sie es Ihren Mitarbeitern leicht! 

·         „Ich brauche die Unterlagen morgen um 14 Uhr.“ 

Dann weiß Ihr Mitarbeiter, woran er ist und er kann sich seine Zeit dafür einteilen. 

Es gibt noch viele weitere Beispiele für Bilder, die Verwirrung stiften: 

·         „Vergiss nicht, die Reisekosten abzurechnen!“ 

Der Gesprächspartner wird nur den Kern der Aufforderung hören, nämlich die Reisekostenabrechnung zu vergessen. Sehen Sie schon die mögliche Alternative? 

·         „Denk an die Reisekostenabrechnung!“ 

Doch damit denkt er erstmal nur dran, gemacht ist sie noch lange nicht. Es geht noch konkreter: 

·         „Bitte mach die Reisekostenabrechnung noch heute!“ 

Ein weiteres Beispiel: 

·         „Machen Sie sich keine Sorgen!“ 

Falls sie vorher noch nicht da waren - ab sofort hat der Gesprächspartner das Bild der „Sorgen“ im Kopf. Hier gibt es verschiedene Alternativen, je nach Situation: 

·         „Seien Sie ganz beruhigt. Ich werde alles zu Ihrer Zufriedenheit regeln.“ 

·         „Sie dürfen mich jederzeit anrufen, wenn Sie dazu noch Fragen haben.“ 

·         „Wir werden gemeinsam eine Lösung finden.“ 

Doppelte Verneinungen? 

Der dritte Satz am Anfang des Artikels - „Das Projekt ist nicht uninteressant.“ – fordert vom Gesprächspartner höchste Konzentration. Wie jetzt? In der Mathematik lernten wir, dass zweimal minus wieder plus ergibt. So ist es hier auch: 

·         „Das Projekt ist interessant.“ 

Welchen Zweck erfüllen solche verklausulierten Formulierungen? Vielleicht will der Sprecher besonders schlau wirken. Die doppelte Verneinung kann ein rhetorisches Stilmittel sein und wurde besonders in der Literatur früher häufig verwendet. So haben manche Redewendungen den Einzug in unsere Alltagssprache gehalten. Der Effekt im Beruf ist jedoch ein anderer. Der Sprecher wirkt komisch, umständlich und altmodisch. Mit einer knappen, präzisen Formulierung wirken Sie kompetent und klar. 

Es gibt eine einfache Lösung: 

Kennen Sie solche Sätze? 

·         „Nicht über die Wiese laufen!“ 

·         „Seid nicht so laut!“ 

·         „Du sollst beim Essen nicht am Handy spielen!“ 

Bei Seminaren für pädagogische Fachkräfte fragen mich die Teilnehmerinnen häufig, wie sie denn formulieren sollen, um Verneinungen zu vermeiden. Die Lösung ist ganz einfach: Bisher sagten Sie dem Gesprächspartner, was er nicht tun soll. Sagen Sie ihm, was er denn stattdessen tun soll! Mögliche Alternativen können so lauten: 

·         „Bleibt auf dem Weg!“ 

·         „Seid ganz leise und hört gut her!“ 

·         „Simon, jetzt ist Essenszeit. Leg das Handy jetzt auf das Regal!“ 

Ein wenig anders ist es in folgendem Satz: 

·         „Mach die Tür zu, damit es nicht so zieht!“ 

Hier sagt der Sprecher zwar, was der andere tun soll, jedoch enthält die Begründung eine Verneinung. Geht es auch ohne? Na klar: 

·         „Mach die Tür zu, damit es hier drin warm bleibt!“ 

Gut ist eine kleine Rahmeninformation, z.B. wenn die Kollegin gerade zur Tür hereinkommt und Anstalten macht, diese offen stehen zu lassen: 

·         „Katja, mir ist kalt. Bitte mach die Tür zu, damit es hier drin warm bleibt!“

Foto: Heike Brandl
Kein Problem! - Oder lieber: Bei schönem Wetter kann ja jeder radeln!

 

Es gibt noch andere Arten von Verneinungen: 

·         „Ich habe jetzt keine Zeit.“ 

Bieten Sie Ihrem Gesprächspartner eine Alternative an, z.B. einen Termin für ein ausführliches Telefonat. Bieten Sie einem Kind an, sie bei Ihrer Tätigkeit zu begleiten. So teilen Sie gleichzeitig Wissen, Können und Gemeinschaft mit ihm. 

·         „Lassen Sie uns einen Termin vereinbaren.“ 

·         „Schau, ich koche gerade unser Mittagessen. Du darfst mir beim Klöße rollen helfen.“ 

Gehetzte Menschen sprechen von Zeit hauptsächlich in der Verneinung. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in meinem Blog unter https://www.heilpaedagogik-lohr.de/blog-märz-2018/

Ähnlich ist es mit Schildern: 

·         Kein Winterdienst! 

·         Hier ist kein Hundeklo! 

·         Kein Zutritt! 

Alternativen können sein: 

·         Privatweg – Achtung Rutschgefahr! 

·         Bitte Hundekot in den Müll entsorgen! 

·         Eingang um die Ecke – oder: Der Eingang befindet sich …

Manchmal ist es vielleicht auch kaum anders denkbar und wird erstmal länger. Manchmal führt das Umdenken jedoch auch zu einer ganz anderen Lösung. Die Wiese vor dem Haus würde ich eher mit einem symbolischen Schild anstatt Worten schützen. Falls Sie lange an einer Formulierung rätseln, empfehle ich Ihnen folgendes: Fragen Sie Kinder! Kinder haben oftmals einfache Lösungen, denken kreativ und zeigen Ihnen dadurch ganz neue Wege auf. Ganz nebenbei machen Sie die Kinder schon auf die Idee des positiven Denkens und Sprechens aufmerksam und säen eine ganz wertvolle Saat.

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