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Hilfe! Schulanfang! – Wie bewusste Sprache Lernen leichter macht

© LINGVA ETERNA / lingva-eterna.de
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 Was schreiben Sie unter eine Klassenarbeit? „Alles richtig!“ oder „0 Fehler!“ ? Was glauben Sie, worüber freut sich die Schülerin mehr? Und wie geht es Ihnen selbst dabei? Bei welcher Formulierung freuen Sie sich mit der Schülerin, bei welcher Formulierung lächeln Sie mit? Sind Sie ein „Fehler-Sucher“ oder ein „Richtig-Finder“?

In meinem letzten Blog vom Juli ging es darum, wie sich positive Sprache auf unsere Gesundheit auswirken kann. Ich schrieb darüber, wie ein Perspektivenwechsel und ein erweiterter Wortschatz gesundheitlich etwas in Bewegung bringen kann. Anlässlich des Schulanfangs liegt es mir am Herzen, dieses Thema im Hinblick auf Lernen zu beleuchten. Ich will damit Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen sensibilisieren.

Wie kleine Wörter wirken

Allein die oben genannten Kommentare unter einem Test – zwei kleine Wörter, so oder so formuliert – umfassen schon zwei wesentliche Aspekte zum Lernen.

Das eine ist die positive Perspektive, das andere ist das Lernen mit Freude. Beides will ich nun näher ausführen.

Hier sind einige typische Sätze, die sowohl Lehrkräfte als auch Eltern sagen:

·         „Das haben wir schon zehnmal besprochen. Hast du es immer noch nicht kapiert?“

·         „Das war nicht schlecht, aber du musst noch …!“

·         „Du hast nicht genug gelernt!“

·         „Du bist im Rechnen wirklich eine Katastrophe!“

·         „Du hast einen Fehler gemacht.“

Perspektivenwechsel

Lassen Sie die Sätze einmal auf sich wirken. Stellen Sie sich vor, Sie wären der Schüler. Fühlen Sie sich wertgeschätzt? Was machen diese Sätze mit Ihrem Selbstvertrauen? Was machen sie mit Ihrer Lernmotivation? Was machen sie mit Ihrer Beziehung zur Lehrkraft? Würden Sie wollen, dass jemand so mit Ihnen spricht?

Indem Sie sich dies bewusst machen, wird die Alternative sofort offensichtlich. Schüler brauchen Wertschätzung, auch und gerade dann, wenn das Lernen schwerfällt. Gerade Sätze mit „Du bist …“ erzeugen innere Bilder, die das Leben eines Schülers nachhaltig prägen können. Achten Sie darauf, welche Zuschreibungen Sie formulieren.

Fehlerkultur

Eine gute Fehlerkultur stärkt die Lernenden beim Ausprobieren und selbständigen Arbeiten. Jeder Fehler bringt neue Erkenntnisse. Das was fehlt, lässt sich ergänzen oder korrigieren. Weisen Sie die Schüler darauf hin.

Hier sind einige alternative Sätze:

·        „Lass uns die Aufgabe gemeinsam nochmal Schritt für Schritt durchgehen. Dann sehe ich, wieweit du folgen kannst.“

·       „Das war richtig. Ergänze noch …“

·       „Ich wünsche dir mehr Zeit fürs Lernen.“

·       „Rechnen ist noch schwierig für dich. Du wirst es lernen.“

·       „Du hast etwas übersehen.“

„Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Den Umgang, den die Kinder in der Schule oder bei den Hausaufgaben mit Fehlern lernen, prägt sie für das ganze Leben. Was passiert? Oft werden die Fehler vertuscht, anstatt einen konstruktiven Umgang damit zu zeigen. Was macht der Erwachsene, der vom Chef auf einen Fehler hingewiesen wird? Er verteidigt sich, sucht nach einer Rechtfertigung.

Fehler sind wichtig. Aus ihnen lernen wir. Ein Fehler ist es allerdings, nichts daraus zu lernen. Wer keine Fehler macht, macht vermutlich gar nichts.

„Zeigen Sie mir jemanden, der noch keinen Fehler gemacht hat, und ich zeige Ihnen einen Menschen, der noch nie etwas geleistet hat." (Theodore Roosevelt)

Eine gute Fehlerkultur in der Schule und im Elternhaus sind also wichtig. Beginnen Sie mit einer positiven Perspektive in Ihrer Sprache!

Wie kann es gelingen, dass Kinder mit Freude lernen? Dazu gehören natürlich viele Aspekte, wie neugierig machen, die Eigenmotivation stärken, Lernen am Erfolg, ein gutes Lernumfeld und vieles mehr. Ich will an dieser Stelle wieder den Fokus auf die Sprache des Erwachsenen lenken. Sprache steckt an: Was Sie selbst sagen, werden die Kinder in ihren Sprachgebrauch aufnehmen.

„Wir ernten, was wir säen.“ (Sprichwort)

Säen Sie also die Freude. Und das meine ich wörtlich! Es geht darum, das Wort „Freude“ und sein Verb „freuen“ in den täglichen Sprachgebrauch aufzunehmen. Ich gebe Ihnen gerne einige Beispiele:

·         „Ich freue mich, dass du wieder gesund bist.“

·          „Du hast richtig gerechnet. Das freut mich.“

·         „Jule, ich sehe, dass dir die Aufgabe Freude macht. Das ist schön.“

Was löst das in Ihnen und im Kind aus? - Ein Lächeln! Und das steckt wiederum an und verstärkt es weiter bei beiden Gesprächspartnern. Vielleicht freuen sich noch mehr Schüler mit, die das Gespräch hören. Gehirngerechtes Lernen geschieht unter positiver emotionaler Beteiligung!

Für eine positive, Lernfreude weckende Stimmung in der Klasse ist es gut, immer wieder alle Schüler und Schülerinnen anzusprechen. Die Atmosphäre wird dadurch freundlich und wohlwollend.

·         „Ich habe mich schon auf euch gefreut.“

·          „Ich freue mich schon auf eure Aufsätze / Bilder / Referate.“

·          „Ich freue mich, dass ihr so gut mitgearbeitet habt.“

·         „Heute hatte ich viel Freude mit euch.“

© LINGVA ETERNA / lingva-eterna.de
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Nutzen Sie die Kraft der Sprache! Jedes Wort wirkt!

Haben Sie noch weitere Ideen? Lassen Sie uns teilhaben und schreiben Sie in die Kommentare!

 

 „Jedes Wort wirkt! – Bewusste Sprache in der Pädagogik“, so heißt auch ein Buch, in dem Sie gerade als Lehrerin oder Lehrer zahlreiche Tipps und Anregungen finden. Dasselbe gilt für die Sprachkarten für Pädagogen.

 

 

 

 

 

 

 

Literatur:

Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf (Hrsg.)

„Jedes Wort wirkt! – Bewusste Sprache in der Pädagogik“

Lingva Eterna Verlag, Erlangen 2016

 

Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf

„Die Kraft der Sprache – 40 Karten für Pädagogen“

Lingva Eterna Verlag, Erlangen 2014

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